„Am meisten freue ich mich, wenn ich sehe, dass die Menschen den öffentlichen Raum wirklich nutzen.“
Die Architektin Hana Laššová arbeitet heute im Team von Trenčín 2026. Sie beschäftigt sich mit Projekten rund um den öffentlichen Raum, Gemeinschaften und die schrittweise Transformation der Stadt. Statt ein einzelnes Objekt zu entwerfen, betrachtet sie die Stadt als Ganzes. Sie interessiert sich dafür, wie sich Menschen durch die Stadt bewegen, wo sie sich begegnen und wie sie die Orte, an denen sie leben, selbst mitgestalten können.
Das Projekt City reimagined beschäftigt sich mit Straßen, Plätzen und Wohnsiedlungen. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Orte aus, die besondere Aufmerksamkeit benötigen?
Es ist eine Kombination aus mehreren Perspektiven. Für einige Standorte hatte die Stadt bereits eine Revitalisierungsstudie vorbereitet, und mithilfe temporärer Eingriffe können wir bestimmte Lösungen vorab testen. Gleichzeitig können wir auf diese Weise schon mit den Bewohnerinnen und Bewohnern zusammenarbeiten, bevor die endgültige bauliche Lösung umgesetzt wird.
Einige Orte haben wir ganz einfach durch die Beobachtung der Stadt identifiziert und dabei nach Bereichen gesucht, in denen bereits ein relativ kleiner Eingriff eine größere Wirkung erzielen kann. Ebenso wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Menschen, die dort leben. Dank des Projekts Living neighborhoodsarbeiten wir in den einzelnen Quartieren mit lokalen Bewohnerinnen und Bewohnern zusammen, die eigene Ideen einbringen, bei deren Weiterentwicklung wir sie unterstützen können.
Was entscheidet Ihrer Meinung nach darüber, ob wir einen Ort nur durchqueren oder ob wir dort anhalten und eine Weile bleiben möchten?
Sehr wichtig ist, dass man merkt, dass sich jemand um den Ort kümmert. Er muss nicht neu sein. Aber wenn man spürt, dass er gepflegt wird und dass jemand eine Beziehung zu ihm hat, beeinflusst das auch die Art und Weise, wie andere ihn nutzen.
Gleichzeitig müssen unterschiedliche Nutzergruppen berücksichtigt werden. Ältere Menschen, Familien mit Kindern und junge Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Deshalb ist es meiner Meinung nach wichtig, Räume zu schaffen, die Menschen eher miteinander verbinden und zu verschiedenen Tageszeiten oder Jahreszeiten unterschiedliche Funktionen erfüllen können. Ein solcher multifunktionaler Raum hat das Potenzial, den ganzen Tag über lebendig zu sein.
Bei der Gestaltung des öffentlichen Raums treffen Architektinnen und Architekten, Kommunen und die lokale Bevölkerung aufeinander. Wie lassen sich ihre oft unterschiedlichen Perspektiven und Bedürfnisse miteinander vereinbaren?
Ich denke, die Arbeit mit Daten und Partizipation ist sehr wichtig – alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen. Eine Kommune sollte nicht nur kontrollieren, ob Vorschriften eingehalten werden. Sie sollte auch klar formulieren können, welche Erwartungen sie an die Entwicklung eines bestimmten Gebiets hat.
Daten darüber, wie ein Ort funktioniert und was seine Bewohnerinnen und Bewohner benötigen, können Bestandteil der Aufgabenstellung für Architektinnen, Architekten oder Stadtplaner sein. So könnten Städte bei der Gestaltung ihres Umfelds eine stärkere Stimme haben und das Recht ihrer Bewohnerinnen und Bewohner auf eine hohe Lebensqualität in der Stadt schützen.
Trenčín ist in diesem Jahr Kulturhauptstadt Europas. Woran werden Sie nach dem Ende des Jahres 2026 erkennen, dass dies für Trenčín wirklich sinnvoll war?
Mehr als einzelne Projekte würde ich nach 2026 gerne einen Beleg dafür sehen, dass sich die jahrelangen Anstrengungen gelohnt haben und vor allem Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung hatten – auf ihr Selbstvertrauen und ihre Offenheit gegenüber Neuem. Es ging nicht nur darum, eine europäische kulturelle Dimension in eine kleine Stadt zu bringen, sondern auch darum, aktive Gruppen in der Bevölkerung zu unterstützen und nachbarschaftliche Beziehungen in der gesamten Stadt zu stärken. Darauf kann später das nächste Kapitel der Stadtgeschichte aufbauen.
Was das Programm selbst betrifft, sollte unsere Organisation auch nach 2026 weiterbestehen und einen Teil der bisherigen Aktivitäten übernehmen. Es ist wichtig, dass sowohl die Stadt als auch der Selbstverwaltungsbezirk Trenčín davon sprechen, eine gewisse Kontinuität zu sichern.
Ist diese Kontinuität die größte Herausforderung solcher Projekte? Also zu verhindern, dass nach dem Ende des Kulturhauptstadtjahres alles einfach wieder verschwindet?
Ja. Es ist sehr wichtig, dass jemand bleibt, der die Menschen weiterhin unterstützen kann. In Trenčín ist zum Beispiel das Mechanism of participation entstanden, das auch außerhalb der Aktivitäten der Kulturhauptstadt mit den Bewohnerinnen und Bewohnern arbeitet. Einige Nachbarschaftsgruppen können mit der Zeit eigene Vereine gründen und sich um kleinere Fördermittel bewerben.
Auch das Creative institute sollte weitergeführt werden. Natürlich wird es in kleinerem Umfang arbeiten, aber es ist gut zu wissen, dass eine Institution erhalten bleibt, die die weitere Entwicklung in gewissem Maße begleiten und absichern kann.
In einem Interview haben Sie erwähnt, dass die Natur ein großes Potenzial der Slowakei darstellt. Wo verläuft Ihrer Meinung nach die Grenze zwischen der Entwicklung des Tourismus und dem Punkt, an dem wir der Landschaft eher etwas nehmen? Schließlich entstehen heute selbst mitten in den Bergen große Immobilienprojekte.
Problematisch wird es, wenn sich die Entwicklung nur auf einige wenige besonders bekannte Orte konzentriert. In der Slowakei gibt es viele weniger bekannte Naturräume, die Besucherinnen und Besuchern andere Erlebnisse bieten und gleichzeitig den touristischen Druck besser verteilen könnten.
Meiner Meinung nach ist es außerdem wichtig, darüber nachzudenken, welche Art von Tourismus wir unterstützen. Es muss nicht immer ein weiteres Wellnesshotel sein. Es kann auch um ein Erlebnis gehen, das auf der lokalen Landschaft, den Menschen und den für die jeweilige Region typischen Aktivitäten basiert.
Wenn Sie auf die Veränderungen zurückblicken, die im Zusammenhang mit Trenčín 2026 entstanden sind: Was bereitet Ihnen persönlich die größte Freude?
Wenn ich sehe, dass die Menschen den öffentlichen Raum wirklich nutzen. Manchmal reicht es schon, jemanden in einem Parklet oder an einem Nachbarschaftstisch sitzen zu sehen. Natürlich ist nicht alles, was wir tun, immer perfekt. Aber genau deshalb verstehen wir vieles auch als Experiment. Wir sehen, was funktioniert und was nicht, und können daraus weiter lernen.
Für mich ist wahrscheinlich das Wichtigste, dass diese Orte nicht nur Projekte auf dem Papier bleiben, sondern beginnen, ein eigenes Leben zu entwickeln.